Strichcode
Die Kassiererin zieht eine Milchpackung über das Scannerfenster, und den Bruchteil einer Sekunde später piept die Kasse. Der rote Strahl ist über 30 Striche und 29 Lücken gelaufen, die Fotodiode hat 59 Helligkeitsübergänge gesehen. Der Decoder hat sie in 13 Ziffern zerlegt und die letzte geprüft. Ist die Packung zerknittert und ein Knick läuft durch einen Strich, sind es 61 Übergänge, und die Kasse bleibt stumm. Der Code ist so gebaut, dass er lieber nicht liest, als falsch zu lesen.
Ein Strichcode schreibt eine Zahl in den Breiten dunkler und heller Streifen. Die Breiten sind Vielfache des Moduls, des schmalsten Streifens. In EAN-13 belegt jede Ziffer 7 Module: zwei Striche und zwei Lücken. Die erste Ziffer hat keine eigenen Striche, sie steckt darin, mit welchen Sätzen die linke Hälfte geschrieben ist. Die dreizehnte Ziffer ist die Prüfziffer: Sie wird aus den übrigen zwölf berechnet.
| Was es ist | optischer maschinenlesbarer Code aus parallelen Strichen und Lücken |
| Symbologie | EAN-13 und UPC-A auf Waren, ITF-14 auf Kartons, Code 128 in der Logistik |
| Modul | X = 0,330 mm bei 100 %; zulässig 80–200 %, von 0,264 bis 0,660 mm |
| Kapazität | 12 Datenziffern und eine Prüfziffer: 10¹² Nummern |
| Absicherung | Prüfziffer mit den Gewichten 1 und 3; fängt jeden Einzelfehler |
| Gelesen mit | rotem 650-nm-Laser mit Fotodiode oder Kamera mit Beleuchtung |
Etymologie
Strich aus dem Deutschen, Buch aus dem Lateinischen
Der Code wurde in den USA erfunden und nach seinem Aussehen benannt: bar code, „Streifencode“. Andere Sprachen übernahmen entweder das englische Wort oder übersetzten es mit eigenen Wurzeln. Das russische «штрих-код» ist aus deutschen und lateinischen Lehnwörtern zusammengesetzt; in Normen steht «штриховой код».
01 · Aufbau
Dreizehn Ziffern in 95 Modulen
Der Code wird von links nach rechts in Modulen gelesen: 1 ist dunkel, 0 ist hell. An den Rändern stehen die Begrenzer 101, in der Mitte 01010. Dazwischen liegen sechs Ziffern links und sechs rechts, je 7 Module. Jede Ziffer besteht aus zwei Strichen und zwei Lücken von je einem bis vier Modulen Breite.
Eine Ziffer lässt sich in drei Sätzen schreiben. Satz L beginnt mit einem hellen Modul und hat eine ungerade Zahl dunkler. Satz G ist das Spiegelbild von R und hat eine gerade Zahl dunkler. Satz R ist das Negativ von L und steht nur rechts. Aus dem Wechsel von L und G in der linken Hälfte erkennt der Scanner die erste Ziffer und zugleich die Richtung: Der Code lässt sich auch auf dem Kopf durchziehen.
Wie aus einer Ziffer Streifen werden
Wählen Sie eine Ziffer. Unten steht ihr Muster in drei Sätzen zu je 7 Modulen und der Satzwechsel, wenn diese Ziffer an erster Stelle steht.
Beschädigen Sie den Code und sehen Sie, wann die Kasse aufgibt
Drei Versuche auf einem Etikett. „Kodierung“: Ziffern ändern und sehen, welche Streifen sich umbauen. „Scanner“: den Strahl verschieben, den Druck verkleinern, die Farbe verlaufen lassen, kratzen. „Kassierfehler“: eine Nummer mit Fehler eingeben und prüfen, ob die Prüfziffer ihn fängt.
02 · Entwicklung der Codes
Vom Kreis im Sand zum Quadrat auf der Packung
Jeder neue Code beantwortete ein Problem des alten. Der Kreis ließ sich von jeder Seite lesen, war aber schwer zu drucken. Farbstreifen an Waggons verblassten. Zifferncodes konnten keine Buchstaben. Lineare fassten nicht mehr als ein paar Dutzend Zeichen, und der Code wuchs in die zweite Dimension.
03 · Verdichtung und Kapazität
Nur Ziffern, fünf Längen
Ein Code verdichtet Daten durch die Wahl des Alphabets. Code 39 braucht für jedes Zeichen 16 Module, weil er auch Buchstaben kann. Code 128 im Satz B legt ein Zeichen in 11 Module, im Satz C gleich zwei Ziffern. ITF versteckt die zweite Ziffer eines Paares in den Lücken der ersten. EAN-13 ist am dichtesten: Er weiß vorher, dass es genau 13 Ziffern sind.
04 · Was kodiert ist
Eine Nummer, keine Beschreibung
Im Code stehen weder Name noch Preis noch Haltbarkeit. Nur die GTIN, anhand derer die Kasse den Artikel in ihrer Datenbank findet. Die ersten drei Ziffern sind das Präfix der nationalen GS1-Organisation, die die Firmennummer vergeben hat. Das Herstellungsland bedeutet es nicht: Eine Fabrik in China kann eine Nummer in Deutschland bekommen, ein argentinisches Unternehmen eine in den USA. Dann folgen Firmennummer und Artikelnummer, ihre Grenze verschiebt sich. Die letzte Ziffer ist die Prüfziffer.
05 · Druckregeln
06 · Nachbarcodes
07 · Historischer Teil
Norman Woodland kam der Code nach eigener Erzählung an einem Strand in Miami. Er zeichnete mit den Fingern die Punkte und Striche des Morsealphabets in den Sand und zog sie nach unten, so entstanden schmale und breite Streifen. Damit sich die Marke von jeder Seite lesen ließ, bog er die Streifen zu Ringen. 1952 erhielt er mit Bernard Silver das US-Patent 2 612 994.
Zum Lesen eines Kreises fehlte das Gerät: Für den Versuch brauchte man eine starke Lampe und einen Photomultiplier aus einem Filmprojektor. Der Code wartete zwanzig Jahre auf billige Laser und Chips. 1973 wählten amerikanische Handelsketten den rechteckigen UPC, entwickelt bei IBM unter Mitwirkung von Woodland. Die Kreise verloren wegen des Drucks: Auf der laufenden Bahn der Druckerei verschmierte die Farbe sie in eine Richtung.
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