Die Größe einer Spore schreibt man in Mikrometern: mit kleinem griechischem µ und kleinem m. Das alte Zeichen µ ohne m (Mikron) wurde 1967 im SI abgeschafft, taucht aber in alten Bestimmungsbüchern noch auf. Den Quotienten Q schreibt man mit großem lateinischem Buchstaben, Länge und Breite mit großem L und W oder kleinem l und w.
Das Q einer Spore ist weder die Güte eines Schwingkreises noch ein Durchfluss. Es ist einfach das Verhältnis von Länge zu Breite, ohne Einheit. Die Sporengröße darf man nicht mit der Farbe des Sporenpulvers verwechseln: Zwei Pilze mit demselben weißen Abdruck können Sporen haben, die sich um das Doppelte unterscheiden. Und ein Teilstrich der Okularskala ist kein Mikrometer, solange die Skala nicht kalibriert ist.
Oben ist ein Hut im Schnitt zu sehen, unter den Lamellen fallen Sporen, jede mit eigener Geschwindigkeit. Unten erscheint auf dem Papier der Abdruck. Im Bogen des Buchstabens Q liegt das Sichtfeld des Mikroskops mit einer Spore. Ihre Kontur ist mal scharf, mal unscharf, wie beim Nachfokussieren. Eine Marke läuft entlang der Sporenlänge und bleibt bei 8,6 µm stehen. Die Okularskala darunter verschiebt sich, als würde sie an die Spore herangeführt.
Einheitenblatt
Mykologie Stand 2026-10Sporengröße und Q-Wert L × W, µm · Q = L/W
SI-Teileinheit · Größe: Länge und Breite der Spore in µm, ihr Verhältnis ist dimensionslos
Warum man einen Pilz an einem Staub erkennt, den das Auge nicht sieht
Der Pilzsammler schneidet einen Hut ab und legt ihn mit den Lamellen nach unten auf ein Blatt Papier, zur Hälfte weiß, zur Hälfte schwarz. Darüber stülpt er ein Glas und lässt alles über Nacht stehen. Am Morgen liegt unter dem Hut ein Muster aus feinen Strahlen: weiß, rosa, braun oder schwarz. Das sind Millionen Sporen, die aus den Lamellen gefallen sind.
Die Farbe des Abdrucks grenzt die Suche ein, entscheidet sie aber nicht. Das tut das Mikroskop. Unter dem Objektiv mit 1000-facher Vergrößerung ist jede Spore zu sehen und lässt sich messen: die Länge L, die Breite W und ihr Verhältnis Q. Beim Grünen Knollenblätterpilz sind die Sporen fast rund, etwa 9 × 8 µm. Beim Austernseitling sind sie gestreckt wie Reiskörner, 10 × 4 µm.
Eine einzelne Spore beweist nichts: Sie unterscheiden sich schon innerhalb eines Abdrucks. Deshalb misst man 20—30 Sporen und hält die Streuung fest. Die Beschreibung im Bestimmungsbuch sieht so aus: „8—10 × 7—9 µm, Q = 1,1—1,2“. Anhand dieser Zahlen lassen sich zwei äußerlich ähnliche Pilze zuverlässiger unterscheiden als am Hut.
01 · Definition
Länge · Breite · Verhältnis · StreuungDie Spore ist eine einzelne Zelle, aus der ein neues Myzel wächst. Bei den meisten Hutpilzen sieht sie aus wie ein kleines Ei oder Korn. Die Länge L misst man entlang der Längsachse, die Breite W quer dazu an der breitesten Stelle. Das kleine Schnäbelchen, mit dem die Spore an der Basidie saß, wird in die Länge nicht einbezogen.
Der Quotient Q ist die Länge geteilt durch die Breite. Er beschreibt die Form, nicht die Größe: Eine große und eine kleine runde Spore haben dasselbe Q von etwa 1. Mykologen benennen die Form nach Q mit Wörtern: kugelig, breit ellipsoid, ellipsoid, länglich, zylindrisch. Die Grenzen zwischen den Wörtern sind Konvention, aber allgemein anerkannt.
Die Sporen eines Pilzes unterscheiden sich wie die Körner in einer Ähre. Deshalb misst man eine Stichprobe und gibt die Extremwerte an. Üblich ist diese Schreibweise: In Klammern stehen die seltensten Extremwerte, ohne Klammern die Hauptstreuung. Mittelwert und Q werden aus derselben Stichprobe berechnet.
Messen Sie dreißig Sporen und bestimmen Sie den Pilz
Links liegt der Abdruck des gewählten Pilzes auf Papier. Rechts ist das Sichtfeld des Mikroskops: Sporen aus diesem Abdruck und die Okularskala. Die Schaltfläche „Messen“ führt die Skala an die nächste Spore: Die Marke läuft über Länge und Breite, die Zahlen gehen in die Tabelle. „30 messen“ erstellt die Stichprobe sofort. Der Regler für das Objektiv ändert die Vergrößerung und mit ihr den Teilungswert. Schaltet man die Kalibrierung aus, werden alle Größen um denselben Anteil falsch, während Q gleich bleibt. Grün sind Skala und Messung dargestellt, pflaumenfarben die Sporen, rot der Kalibrierfehler und Werte außerhalb der Streuung der Art. Unten gibt es drei Ansichten. „Sichtfeld“ zeigt die Sporen selbst. „L und W“ zeigt jede gemessene Spore als Punkt, daneben die Wolken der fünf Arten. „Q“ ist ein Histogramm des Verhältnisses von Länge zu Breite.
Der Teilungswert hängt vom Objektiv ab
Die Okularskala ist im Okular aufgezeichnet, und ihre Teilstriche sehen für das Auge immer gleich aus. Das Objekt darunter wird aber vom Objektiv vergrößert. Deshalb entspricht ein Teilstrich beim Objektiv 40× 2,5 µm und bei 100× 1 µm. Den Teilungswert bestimmt man mit einem Objektmikrometer, einem Glas mit präziser Skala von 1 mm in 100 Teile. Prüft man ihn nicht, verschiebt sich die ganze Stichprobe. Schalten Sie die Kalibrierung aus und vergleichen Sie: Länge und Breite werden andere, Q aber bleibt gleich, weil der Fehler beide Achsen gleich dehnt.
02 · Umrechnung
Okularteilstriche · Arten im Vergleich · Farbe des AbdrucksVon Skalenteilen zu Mikrometern
Geben Sie die Zahl der Teilstriche der Okularskala oder eine Größe in Mikrometern ein und wählen Sie ein Objektiv. Der erste Reiter rechnet das eine ins andere um und zeigt, wie viel das in anderen Längeneinheiten ist. Der zweite stellt die Sporen der fünf Pilze aus der Szene nebeneinander. Der dritte versammelt die Abdruckfarben und die Gattungen, für die sie typisch sind.
Merkregel: Bei Objektiv 100× und Okular 10× ist ein Teilstrich der Standardskala etwa 1 µm. Das ist aber nur eine Größenordnung; den genauen Wert liefert die Kalibrierung.
Ein Lichtmikroskop löst keine Details unter 0,2 µm auf. Bei einer Spore von 10 µm Länge sind das 2 % — wenig. Bei einer Spore von 3 µm sind es schon 7 %, und das Q einer solchen Spore ist weniger genau bekannt. Deshalb gibt man bei kleinen Sporen in der Beschreibung weniger Nachkommastellen an.
| {k} | {v} | {note} |
{text}
04 · Messgeräte
Abdruck · Mikrometer · Melzers Reagenz · KameraVom Blatt Papier zur Okularskala
Sporenabdruck
Man legt den Hut mit den Lamellen nach unten auf ein Blatt, halb weiß und halb schwarz, und deckt ihn gegen Zugluft ab. Nach einigen Stunden liegt darunter ein Muster. Weiße Sporen sieht man auf der schwarzen Hälfte, dunkle auf der weißen. Die Farbe des Abdrucks ist das erste Merkmal bei der Bestimmung. Ein Abstrich von demselben Blatt kommt unters Mikroskop: So gehören die Sporen sicher zu diesem Pilz.
Objektmikrometer und Okularskala
Das Objektmikrometer ist ein Objektträger, auf dem ein Millimeter eingeritzt und in 100 Teile geteilt ist. Man legt es auf den Tisch, und im Sichtfeld sieht man gleich zwei Skalen: die genaue auf dem Glas und die willkürliche im Okular. Man bringt sie zur Deckung und zählt, wie viele Okularteilstriche auf die bekannte Länge entfallen. So findet man den Teilungswert für jedes Objektiv, einmal und für lange Zeit.
Melzers Reagenz
Die Größe ist nicht das Einzige, was man an einer Spore misst. Man gibt einen Tropfen Jodlösung mit Chloralhydrat auf das Präparat. Die Sporen mancher Pilze färben sich blau oder schwarz — man nennt sie amyloid —, die anderer bleiben gelb. Bei den Wulstlingen aus der Verwandtschaft des Knollenblätterpilzes sind die Sporen amyloid. Die Reaktion steht in der Beschreibung neben der Größe: „8—10 × 7—9 µm, amyloid“.
Kamera und Software
Heute fotografiert man Sporen oft mit einer Kamera am Mikroskop. Das Programm legt an jede Spore eine Ellipse an und schreibt sofort Länge, Breite und Q. Auch sie muss auf dieselbe Weise am Objektmikrometer kalibriert werden. Die Hauptfalle sind Sporen, die auf der Seite liegen oder verklebt sind: Man muss sie von Hand ausschließen, sonst fällt Q zu niedrig aus.
05 · Schreibregeln
Streuung · Extremwerte · Q und nZuerst die Länge, dann die Breite
Die Größe einer Spore schreibt man als „Länge × Breite“ mit der Einheit am Ende. Die Streuung steht mit Strich, seltene Extremwerte in Klammern. Q schreibt man gesondert, ebenfalls als Streuung oder als Mittelwert. Die Zahl der gemessenen Sporen gibt man mit dem Buchstaben n an.
Die Breite kann nicht größer sein als die Länge: Zuerst kommt immer die lange Achse. Das Mikron µ ist abgeschafft, man schreibt µm und setzt die Einheit einmal ans Ende. Q hat keine Einheit. Eine einzelne Zahl ohne Breite beschreibt die Form nicht. Vier Nachkommastellen sind sinnlos, wenn das Mikroskop 0,2 µm auflöst. Und Okularteilstriche ohne Teilungswert sind keine Größe.
06 · Benachbarte Einheiten
Mykologie und LängeEin Mikrometer ist ein Millionstel Meter. Die Sporen, die aufs Papier gefallen sind, sind der Anfang der ganzen Skala: Aus jeder kann ein Myzel wachsen, das am Tag Millimeter zulegt und in Jahrtausenden Hunderte Hektar bedeckt. Der Abschuss einer Spore von der Lamelle ist dagegen eine eigene Mechanik mit einer Geschwindigkeit in Metern pro Sekunde.
1 µm = 10⁻⁶ m.
Was aus einer Spore in einem Tag wächst.
Der Buller-Tropfen und eine Beschleunigung von Tausenden g.
07 · Historischer Teil
Archiv · von Micheli bis MelzerWie Sporen zum wichtigsten Merkmal eines Pilzes wurden
{title}
{text}
Der Abdruck bewahrt Sporen, nicht die Größe
Ein Sporenabdruck ist eine bequeme Probe. Man kann ihn trocknen, in ein Herbarkuvert legen und ein halbes Jahrhundert später wieder unters Mikroskop bringen. Die Sporen darin verändern sich kaum: Ihre Wand ist fest. So lässt sich eine Größe aus einer alten Beschreibung am selben Material überprüfen.
Die Größe selbst hängt aber davon ab, wie man gemessen hat. In Wasser, in Lauge und in Melzers Reagenz ergibt dieselbe Spore etwas unterschiedliche Maße. Unreife Sporen aus der Lamelle sind kleiner als solche, die schon gefallen sind. Deshalb nennt eine gute Beschreibung das Einbettungsmedium und dass die Sporen aus einem Abdruck stammen. Eine einheitliche Methode ist wichtiger als die letzte Nachkommastelle.
Rechts ist gezeigt, wie eine Spore den Pilz verlässt. An ihrer Basis sammelt sich ein Wassertropfen. Der Tropfen verschmilzt mit dem Film auf der Sporenoberfläche, der Schwerpunkt verschiebt sich ruckartig, und die Spore wird weggeschleudert. So löst sie sich von der Lamelle und fällt nach unten aufs Papier.
Die sieben SI-Basiseinheiten
Größenkatalog
Mykologie · 12 Einheitenblätter
Ein Tropfen Säure ändert die Farbe des Safts, Salz färbt die Flamme, Wasser gefriert durch ein Klopfen. Darunter alle Simetrium-Blätter, nach Fachgebieten und alphabetisch.
Verzeichnis öffnen →





