Internationale Abkürzungen werden großgeschrieben: LDL-C ist das Cholesterin der Lipoproteine niedriger Dichte, HDL-C das der Lipoproteine hoher Dichte, TG sind die Triglyzeride, TC das Gesamtcholesterin. Das C nach dem Bindestrich ist wichtig: LDL ist das Teilchen selbst, LDL-C das Cholesterin darin – und genau das wird im Labor gemessen.
Ein und dasselbe Millimol pro Liter wiegt bei verschiedenen Stoffen unterschiedlich viel: bei Cholesterin sind es 38,67 mg/dL, bei Triglyzeriden 88,57, bei Glukose 18,016. Deshalb lässt sich ein Lipidprofil nicht mit einem einzigen Faktor umrechnen – die Triglyzeride kämen dabei nur halb so hoch heraus, wie sie wirklich sind.
In der Mitte ein LDL-Teilchen: ein goldgelber Kern aus Cholesterinestern, eine Hülle aus Phospholipiden, die sich langsam dreht, und das Proteinband apoB-100, das sich um das Teilchen windet und leicht wogt. Ringsum kreisen zwei kleine blaue HDL-Teilchen auf ihren Bahnen, rechts steigt ein Triglyzeridtröpfchen auf und sinkt wieder ab, und der Schieber des Doppellineals erreicht 2,6 mmol/L, die auf der unteren Skala als 100 mg/dL zu lesen sind.
Einheitenblatt
Konzentration · Lipidprofil Blatt 1/1 · Stand 2026-09Cholesterin und Blutfette mmol/L · mg/dL
Größe: Stoffmengen- und Massenkonzentration; mmol/L – SI-Schreibweise, mg/dL – außerhalb des SI
Drei Stoffe, drei Wechselkurse
Jemand, der in Toronto sein Lipidprofil bestimmen ließ, bringt einem Kardiologen in Boston einen Befund, auf dem das LDL-Cholesterin mit 3,4 angegeben ist, und hört, das sei unmöglich: Bei einem lebenden Menschen liege das LDL nie unter dreißig. Beide haben recht, denn in Kanada wie fast überall auf der Welt werden Blutfette in Millimol pro Liter angegeben, in den USA dagegen in Milligramm pro Deziliter, und 3,4 mmol/L Cholesterin sind 131 mg/dL.
Der Haken ist, dass der Faktor zwischen diesen Schreibweisen für jeden Stoff ein anderer ist: Ein Millimol ist eine Anzahl von Molekülen, ein Milligramm deren Masse, und ein Cholesterinmolekül wiegt doppelt so viel wie ein Glukosemolekül, ein rechnerisches Triglyzeridmolekül nochmals doppelt so viel wie Cholesterin. Deshalb lässt sich ein Befund nicht mit einer einzigen Zahl umrechnen: Cholesterin wird mit 38,67 multipliziert, Triglyzeride mit 88,57, Glukose mit 18,016.
Dieses Blatt zeigt, wie das LDL aus Gesamtcholesterin, HDL und Triglyzeriden berechnet wird, wie ein fettreiches Abendessen das Plasma milchig macht und die Formel aushebelt und warum eines der Lipide, Lp(a), überhaupt keinen Faktor hat.
01 · Definition
molare Masse · Friedewald · ZielwerteMillimol pro Liter ist eine Stoffmengenkonzentration: wie viele Tausendstel Mol eines Stoffes auf einen Liter Plasma kommen; Milligramm pro Deziliter ist eine Massenkonzentration: wie viele Milligramm davon in einem Zehntel Liter enthalten sind. Die Brücke zwischen beiden ist die molare Masse des Stoffes, geteilt durch zehn, weil ein Deziliter zehnmal kleiner ist als ein Liter: Cholesterin wiegt 386,65 g/mol, und der Faktor beträgt somit 38,67.
Bei den Triglyzeriden ist es komplizierter, denn sie sind kein einzelner Stoff, sondern ein Gemisch von Molekülen mit verschiedenen Fettsäuren. Für die Umrechnung hat man vereinbart, sie alle als Triolein zu zählen, ein Molekül mit drei Ölsäureresten und einer Masse von 885,7 g/mol; der Faktor 88,57 ist also keine Eigenschaft der Probe, sondern eine Konvention, und bei einer einzelnen Probe kann er um einige Prozent abweichen.
Das LDL-Cholesterin wird in den meisten Laboren nicht gemessen, sondern berechnet: Vom Gesamtcholesterin zieht man das HDL-Cholesterin ab sowie den Anteil, den die triglyzeridreichen Teilchen tragen und den die Friedewald-Formel als ein Fünftel der Triglyzeride in mg/dL schätzt. Die Formel gilt, solange die Triglyzeride 4,5 mmol/L nicht überschreiten; darüber wird das LDL mit einer direkten Methode gemessen.
Woraus sich das LDL zusammensetzt
Links ein Röhrchen mit Plasma nach einer Nacht im Kühlschrank: Bei hohen Triglyzeriden wird es trüb, und oben sammelt sich eine rahmige Schicht. Rechts dasselbe Plasma vergrößert: Die großen gelben Teilchen sind triglyzeridreiche VLDL und Chylomikronen, die mittleren rosafarbenen LDL, die kleinen blauen HDL; ihre Anzahl ist proportional zum Cholesterin, das jede Klasse trägt. Die Schieberegler stellen das gemessene Gesamtcholesterin, HDL und die Triglyzeride ein, das LDL berechnet das Blatt selbst.
3,0
116 4,9
190 6,5 mmol/L
251 mg/dL
Warum man die Triglyzeride durch fünf teilt – und in Millimol durch 2,2
VLDL-Teilchen tragen, in Milligramm gerechnet, etwa fünfmal weniger Cholesterin als Triglyzeride, und Friedewald nahm 1972 dieses Verhältnis einfach als konstant an. In Millimol sieht dasselbe Verhältnis anders aus, weil ein Triglyzeridmolekül 2,29-mal schwerer ist als ein Cholesterinmolekül; die europäische Fassung der Formel teilt durch 2,2 – eine gerundete Zahl, die vom exakten Umrechnungswert leicht abweicht. Deshalb kann ein in beiden Systemen berechnetes LDL um einige Hundertstel Millimol auseinanderliegen, obwohl die Proben dieselben sind.
02 · Umrechnung
eine Zahl · molare Massen · ESC-ZielwerteEine Zahl – fünf verschiedene Laborwerte
Geben Sie einen Wert ein und wählen Sie, in welcher Schreibweise er vorliegt: Das Blatt zeigt, was daraus für jeden Stoff des Lipidprofils und der klinischen Chemie wird, wie viel ein Mol jedes Stoffes wiegt und wo der Wert im Verhältnis zu den LDL-Zielwerten liegt.
Eine Merkregel: Cholesterin multipliziert man mit fast vierzig, Triglyzeride mit fast neunzig, Glukose mit achtzehn.
Lipoprotein(a) geben Labore mal in mg/dL, mal in nmol/L an, und einen festen Faktor zwischen beiden gibt es nicht: Lp(a)-Teilchen tragen bei verschiedenen Menschen ein unterschiedlich langes Protein apo(a) und sind unterschiedlich schwer, sodass eine Umrechnung mit einem mittleren Koeffizienten um das Anderthalbfache danebenliegen kann. Für Lp(a) nimmt man die Einheit, in der die Schwelle in der Leitlinie angegeben ist.
| {k} | {v} | {note} |
{text}
04 · Messgeräte
Photometer · Ultrazentrifuge · Teststreifen · NMRVier Wege, das Fett im Blut zu wiegen
Cholesterin, in Farbe verwandelt
Das Enzym Cholesterinoxidase oxidiert das Cholesterin der Probe, das freigesetzte Peroxid färbt das Reagenz rosa, und das Photometer berechnet die Konzentration daraus, wie stark das durchfallende Licht abgeschwächt wird. Ebenso, mit jeweils eigenen Enzymen, werden Triglyzeride und HDL gemessen, und genau diese Methode steckt in jedem großen Analysator, der ein Lipidprofil in wenigen Minuten liefert.
Schichten nach Dichte
Die Lipoproteine sind sogar nach ihrer Dichte benannt, weil man sie zuerst mit der Ultrazentrifuge getrennt hat: Bei hunderttausend Umdrehungen pro Minute steigen die leichten, fettreichen Teilchen auf, während die dichten, eiweißreichen absinken. Auf dieser Methode, der Beta-Quantifizierung, beruht die Referenz der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention, an die die Labore der Welt über eine Kette von Kalibratoren angebunden sind.
Ein Lipidprofil aus der Fingerkuppe
Tragbare Analysegeräte für Apotheken und mobile Screenings nehmen einen Tropfen Blut aus der Fingerkuppe auf eine Kassette, wo das Blut auf einer Membran aufgetrennt wird und auf mehrere Reagenzfelder zugleich gelangt; das Gerät liest deren Färbung im reflektierten Licht ab. Das Ergebnis wird meist in der Schreibweise ausgegeben, die im Verkaufsland üblich ist, sodass dasselbe Gerät in Europa und in den USA unterschiedliche Zahlen anzeigt.
Teilchen statt Millimol
Die Kernspinresonanz unterscheidet die Lipidsignale von Teilchen verschiedener Größe und ermöglicht es, die LDL-Teilchen selbst in Nanomol pro Liter zu zählen und nicht nur das Cholesterin darin. Eine solche Zählung sagt, ebenso wie die Messung des Proteins apoB in Gramm pro Liter, das Risiko mitunter genauer voraus, denn zwei Menschen mit gleichem LDL können eine unterschiedliche Zahl kleiner oder großer Teilchen haben.
05 · Schreibregeln
Stoff · Schreibweise · FaktorJedem Stoff sein eigener Faktor
Eine Konzentration wird zusammen mit dem Namen des Stoffes und der Einheit angegeben und mit dem Faktor genau dieses Stoffes umgerechnet, ohne ihn auf die benachbarten Zeilen des Befunds zu übertragen.
Die erste Zeile rechts lässt die Zahl ohne Einheit, sodass man nicht erkennen kann, ob es ein Normalwert oder ein lebensgefährlich niedriger Wert ist. Die zweite rechnet Triglyzeride mit dem Cholesterinfaktor um und erhält nur die Hälfte, die dritte versieht Millimol mit der Einheit Milligramm, und die vierte rechnet Cholesterin mit dem Glukosefaktor um. Die fünfte verwechselt ein Protein, das in Gramm gemessen wird, mit einer Stoffmengenkonzentration, und die letzte gibt eine näherungsweise Umrechnung von Lp(a) als exakt aus, obwohl es dafür keinen festen Faktor gibt.
06 · Benachbarte Einheiten
Glukose · Mol pro Liter · HbA1cNeben den Blutfetten stehen auf dem Befund meist Glukose und HbA1c, und hinter allen steht dieselbe Stoffmengenkonzentration, das Mol pro Liter, derentwegen die Labore überhaupt auf das SI umgestellt haben.
Dasselbe Einheitenpaar mit einem halb so großen Faktor, weil das Molekül leichter ist.
Die Zahl der Moleküle in einem Liter, die alle Laborwerte vergleichbar macht.
Noch ein Skalenpaar auf demselben Befund, aber durch eine Verschiebung verbunden, nicht durch einen Faktor.
07 · Historischer Teil
Archiv · vom Gallenstein zum Zielwert 1,4Wie ein Stoff aus einem Stein zum Therapieziel wurde
{title}
{text}
Wie viele mg/dL in einem mmol/L
Die Höhe der Säule ist der Umrechnungsfaktor von mmol/L zu mg/dL, von null bis 88,57; er ist gleich der molaren Masse des Stoffes, geteilt durch zehn. Der Rahmen geht die Stoffe der Reihe nach durch, von der leichten Harnsäure bis zum schweren Triolein.
Der fünffache Unterschied zwischen der ersten und der letzten Säule ist genau das, woran jemand scheitert, der einen Befund mit einer einzigen Zahl umrechnet.
Das Triglyzerid, das es in der Probe nicht gibt
Cholesterin ist ein einzelner Stoff mit einer genauen Formel, und seine molare Masse, 386,65 g/mol, ist auf Hundertstel bekannt. Triglyzeride dagegen sind eine Familie aus Hunderten von Molekülen: Glycerin mit drei angehängten Fettsäuren beliebiger Länge und Sättigung, und die Masse eines „mittleren“ Triglyzerids hängt davon ab, was der Mensch in den letzten Wochen gegessen hat.
Der enzymatische Test misst nicht einmal die Triglyzeride selbst, sondern das Glycerin, das bei ihrer Spaltung frei wird – im Grunde zählt er also Moleküle. Um ein Ergebnis in Milligramm auszugeben, tut das Labor so, als wären alle Moleküle Triolein, und multipliziert mit dessen Masse. Deshalb liegt mmol/L hier näher an dem, was das Gerät tatsächlich gemessen hat, während in mg/dL eine Konvention steckt.
Die rahmige Schicht im Röhrchen links sind Chylomikronen nach einer fettreichen Mahlzeit: Sie sind so groß, dass sie über Nacht im Kühlschrank aufrahmen, und eine erfahrene Laborkraft sieht hohe Triglyzeride früher als der Analysator.






